In der Folgediskussion zu Professor Wolfhard Schlossers Beitrag in der Hertener Runde nahm Wolfgang Thiele mehrfach zum Hauptargument des Astronomen Stellung, dass man im Buch einen modernen Sternehimmel abgebildet habe: Die in der Karte gezogenen Verbindungslinien in den Sternbildern entsprächen natürlich der modernen Sichtweise. Es käme jedoch lediglich auf die Stellung der Sterne relativ zueinander an. Thiele fasste zusammen: "Wie die einzelnen Völker es gesehen haben, spielt letztendlich überhaupt keine Rolle!"
"Da haben Sie den Kern missverstanden" insistierte Schlosser. "Mir wäre lieber gewesen, Sie hätten in Ihrem Buch einen Auerochsen, ein Wildschwein oder eine Dinkelpflanze dargestellt, aber Sie haben eine Auswahl dargestellt, die uns (heute) hier betrifft, aber nicht die anderen Völker!"
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Nochmal erläuterte Schlosser die unterschiedlichen Sichtweisen in verschiedenen Kulturen am Beispiel des Großen Wagens. Niemand wisse, wie die Sterne zur Steinzeit gruppiert gewesen seien, mit "Sicherheit jedenfalls anders als heutzutage".
Die Erwiderung Dr. Herbert Knorrs, dass es letztlich doch gleichgültig sei, welche Linien man ziehe, die Sterne stünden immer noch relativ zueinander "so wie sie stehen", beantwortete Schlosser ausweichend und offensiv: "Wenn Sie sich mal Ihre völlig missglückte Corona Borealis ansehen, ein wunderschön gebogenes Sternbild - bei Ihnen ist das so ein läppischer Strich geworden. Oder der Löwe, ein Zerrbild seiner selbst! Wenn der sich im Spiegel sieht, der weiß ja gar nicht mehr wie er aussieht!" Zusammenfassend beharrte Schlosser auf dem Standpunkt: "Ich werfe Ihnen einfach vor, dass Sie den abendländischen Sternenhimmel durch Ihre Hilfslinien, natürlich subjektiv einprägsam, den Leuten ins Gehirn klopfen! Und das war nicht der Sternenhimmel damals."
Knorr bot Schlosser an, die entsprechenden Passagen aus dem Buch zu zitieren, die eindeutig belegten, dass die Autoren gerade nicht behaupten, das die Sternbilder gerade nicht Sternbilder der Steinzeit seien, die natürlich niemand kenne. Der Dissenz blieb stehen, auch wenn die unterschiedlichen Positionen in der Folgediskussion noch mehrfach vorgetragen wurden.
Spannend wurde es, als Knorr berichtete, dass er im Laufe seiner Arbeit ein interessantes Phänomen beobachtet habe: "Immer wenn wir mit Astronomen gesprochen haben, wurde der Sternenhimmel als ein solcher erkannt, sobald man aber sagte, woher die Abbildung stammt begänne das große Zweifeln." Es gäbe aber dennoch durchaus zustimmende Meinungen, eine Äußerung, die den Ton verschärfte. Schlosser äußerte sich danach zunehmend agressiv und teilweise auch herablassend über die Autoren und versuchte Knorr der Lächerlichkeit preis zu geben.: "Selber schuld, wenn Sie andere Leute gefragt haben" - oder: "Es gibt acht Möglichkeiten eine Folie aufzulegen, das ist angewandte Optik", als der Autor eine Folie falsch auf den Projektor legte.
Diese und ähnliche Äußerungen führten bei den Zuhörern zu Irritationen, die sich in der Fragestunde auch Luft schafften. An Schlosser gerichtet fragte Peter Kaschel aus Recklinghausen unter dem Beifall des Parketts warum er eine "solche Emotionalität" in die Diskussion gebracht habe. Der Bochumer Astronom führte darauf hin aus, das er auch stark beteiligt sei, da er ein Herz für "solche Leute" habe. Allerdings müsse das Handwerk stimmen, ein Punkt an dem Knorr wieder in die Diskussion eingriff und darauf hinwies, dass gerade Schlosser den Autoren mehrfach handwerklich sauberes Arbeit bestätigt habe. Es ginge hier doch nur um die Interpretation des dargestellten Materials. Die Interpretation sieht Schlosser allerdings ebenfalls als Teil des Handwerks, ein weiterer Dissenz in der Diskussion, der offen blieb.
Zum Argument Schlossers, dass die Sterne nicht distanzwahrend seien, zeigte Knorr die Lücken und Häufungen, die nach Schlosser zu erwarten wären. In diesem Zusammenhang stellte Knorr eine Stellungnahme des Direktors der Physikalischen Gesellschaft für Bildung und Wissenschaft Dr. Deiss in Frankfurt vor, die die von Knorr vorgelegte Karte sehr wohl als eine Sternenkarte interpretierte. Dieses Argument beantwortete Schlosser mit dem Hinweis, man hätte besser Dr. Deiss einladen sollen. Er könne jedenfalls ein beliebiges Sternbild in die Sternenkarten einzechnen. Die explizite Frage des Moderators: "Können Sie denn ausschließen oder würden Sie bejahen, dass aus dem Muster wie es die Autoren vorgelegt haben, mehrere Sternenhimmel konstruiert werden können, die eine ähnlich Abfolge zeigen!" beantwortet er nach mehrfacher Rückfrage mit der Aussage: "Kann ich sofort, aber natürlich!" Der Aufforderung Knorrs, das auch zu tun, konnte Schlosser während der Veranstaltung naturgemäß nicht Folge leisten. (Anm. der Redaktion: Wir haben hierzu einen speziellen Beitrag und einen Thread im Forum verfasst, der es jedem Nutzer dieser Website ermöglicht, es einmal selbst zu versuchen.)
Eine andere Frage Knorrs blieb den ganzen Abend über letzlich unbeantwortet, die Frage nach der Richtigkeit der Achsen. Die Aufforderung zur Stellungnahme ging direkt an Schlosser, der seine Ausführung mit der Bemerkung einleitete, dass die Mathematik dieser Dinge "sehr schwer" sei: "Ich kann nur dringend dazu raten, dass Laien die Hände von solchen Zufallsberechnungen lassen sollen. die gehen schief!" Statt dessen riet er den Autoren das besser Computerprogrammen zu überlassen, um dann jedoch wieder die Ähnlichkeit der Sternbilder zu negieren als "getretene Schlange und Zerrbilder ihrer selbst." Nach mehrfachem Nachfragen räumte er zwar ein, dass es "ab und an Linien gäbe, von denen er meint, dass etwas daran sein könne". Peru, Graubünden und England nannte er als Beispiel, für Westfalen mochte er derartige Linien nicht erkennen und zog sich auf die Position des Astronomen zurück, der keinen "Sternhimmel im Sauerland" sieht. Die Nord-Südachsen der Autoren zog Schlosser nicht in Zweifel. "Natürlich hatten die das! - Viele tausend Jahre bevor Sie (die Autoren) quasi aktiv wurden haben wir doch schon in Goseck diese Anlagen gehabt." antwortete er auf die Frage Thieles nach den großen Nord- und Südachse: "Es ist natürlich vollig klar, dass die Menschen damals ganz toll den Himmel kannten."
In diesem Zusammenhang ergab sich eine kurze Diskussion über die nach Schlossers Ansicht abwertende Stellungnahme der Autoren auf dem Buchcover über die Sternscheibe von Nebra, die sicher bedeutender sei, als die Entdeckung der Autoren.
Die Publikumsdiskussion
Der Aspekt der Achsen und Geraden ging auch in der Folgezeit nicht mehr ganz verloren, denn es meldete sich der Geodät Georg Hasbach aus dem Publikum zu Wort, der nach eigenen Aussagen die Gerade in der Jungfrau nachgerechnet hat und die Aussagen der Autoren bestätigte. Hasbach teilte in seinem Statement das Erstaunen der Autoren über die hohe Genauigkeit.
Zweifel äußerte ein weiterer Besucher ob die Technologie zur Errichtung eines derart gewaltigen Bodenbildes überhaupt zur Frühzeit schon vorhanden war. Es herrschte Einigkeit auf dem Podium, dass diese Fertigkeiten frühestens ab dem 13. Jhdt. (wieder) entdeckt wurden. Dass allerdings auch zur Steinzeit große Genauigkeit bei mindestens der Bestimmung der Nordrichtung erreicht wurde bestätigte auch Schlosser unter Hinweis auf sein Buch "Sterne und Steine".
Ein weiterer Beitrag aus dem Publikum beschäftigten sich mit Funden aus dem Rheinland, die Kultkontinuität nahelegten. Ein "Bruch der Überlieferung", den Schlosser kurz andeutete, fand ebenfalls noch Niederschlag in der Pubklikumsdiskussion, der auf weitere Publikationen hinwies, die sich mit Sternbildern auf dem Boden beschäftigte und die zu ähnlichem Ergebnissen gekommen seien.
Summa Summarum: Die Diskussion brachte keinen Konsenz in der Frage ob die Verteilung der Kirchen dem Muster des Sternenhimmes genüge. Bei der Frage ob Achsen vorhanden sein können, stimmte Schlosser den Autoren ausdrücklich zu, allerdings ohne genau deren Achsen zu bestätigen.

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