Der Himmel ist unter uns

Knorr: "Ich verstehe Sie überhaupt nicht!"
Datum: Thursday, 12. February 2004 um 22:29 Uhr
Topics Streitpunkt


Dr. Herbert Knorr beim Vortrag in Herten. Foto (c) ANIn der Diskussion über die Argumentation Professor Bergmanns in der Hertener Diskussionsrunde äußerte Dr. Herbert Knorr unverhohlen sein Unverständnis über dessen Ausführungen: "Ich habe große Teile Ihrer Ausführungen überhaupt nicht verstanden, weil ich ... nicht begriffen habe, in welchem Bezug es zu unserem Buch steht." Knorr wies darauf hin, dass die Ausführungen zum Thema Kaminski von den Autoren (wie im Buch beschrieben) ja von ihm und Thiele geteilt würden.

Die Kritik an der Überbewertung Wormbachs konterte er mit dem Argument, dass Wormbach in Bezug auf die Theorie ja lediglich in seinem Funktionszusammenhang gesehen werden müsse. Bergmanns kulturhistorische Ausführungen wolle er gar nicht widersprechen, sie seien aber für die Theorie nicht relevant. Auch zu den Fragen der Missionierung, den Standorten von Kirchen und der Kultstättenkontinuität stellte Knorr fest, dass in vielen Bereichen die Darstellung im Buch dem entspräche, was Bergmann vorgetragen habe, und dass diese Aussagen im Buch bereits diskutiert würden. Allein, die Gründe, warum diese Erkenntnisse gegen die Grundthese des Buches sprächen, habe Bergmann nicht aufgezeigt.

Die Diskussion zur Punkt: Wormbach ist überbewertet

Die Deckenmalereien gäben zwar Hinweise, seien aber allein kein Beweis für die Theorie des Himmels auf der Erde. Darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig. Foto: Das Sternbild Schütze. (c) fn"Sie haben in diesem Teil Ihres Vortrages gegen Kaminski gesprochen und nicht gegen unser Buch - und dem Thema haben wir selber ein kritisches Kapitel gewidmet", erwiderte Knorr die Stellungnahme des Mediävisten Bergmann gleich zu Beginn. Die Ausführungen zum Tierkreis seien ebenfalls in keinem Zusammenhang mit dem Buch zu sehen, weil die Autoren an keiner Stelle den Versuch unternähmen vom Tierkreis auf die Bodenbilder zu schließen: "Der Tierkreis in Wormbach ist lediglich das auslösende Moment gewesen!" Bergmann konterte, dass die Autoren Wormbach ein ganzes Kapitel gewidmet hätten, was Knorr dahin gehend kommentierte, dass sowohl die "Walburga-Geschichte" als auch die Deutung der Deckenmalerei als "Diakon" eindeutig im Buch als Spekulationen gekennzeichnet seien. Diese passen allerdings gut zur Theorie, seien aber niemals als Grundlage oder Beweis genutzt worden.


Die Diskussion zum Punkt: Die Christianisierungsgeschichte lief anders

Keine Probleme hatten Thiele und Knorr, die Darstellung der Kirchengeschichte durch Prof. Bergmann zu akzeptieren, wderspräche sie doch nicht ihren eigenen Darstellungen im Buch: "Wir sind da einfach d'accord - wir können das absolut nicht als Kritik annehmen."

"Wir behaupten auch nichts anderes, als dass die Kirchen in der Gemeindemitte stehen", stimmten die Autoren Bergmann zu, denn schließlich zitierten sie Hömberg, der auch die Kirche als Keimzelle des Ortes betrachtet. *

Knorr ließ in der Diskussion eindeutig erkennen, dass die Relevanz der Missionierung in Stufen für die Theorie nicht evident sei. In einzelnen Punkten der Christianisierungsgeschichte entspann sich ein Disput zwischen Thiele und Bergmann. Während Bergmann die magere durch den karolingischen Hof gefärbte Quellenlage erläuterte und in diesem Zusammenhang sehr schnell wieder seine Zweifel an der Kultstättenkontinuität über 3000 Jahre erneuerte, legte Thiele den Schwerpunkt auf die kriegerische Missionierung der Sachsen.

Die Christianisierungsgeschichte war Diskussionspunkt, über deren Relevanz für die Theorie herrschte keine Einigkeit. Die Abbildung zeigt eine historisierende Darstellung von Papst Cölestin III. bei der Verleihung des schwazen Kreuzes an den Deutschen Orden. Foto: (c) fn


Die Diskussion zum Punkt: Kultstättenkontinuität

Kultstättenkontinuität über 10.000 Jahre in England gilt als unbestritten, die Argumente, warum dies nicht in Westfalen gelten solle, blieb Prof. Bergmann nach Auffassung der Autoren schuldig. Foto: Stonehenge (c) ThieleBei der Erläuterung der Kultstättenkontinuität zitierte Knorr Bergmann, der just in seinem Vortrag ebenfalls gesagt hatte, dass, sollte es eine Kultstätte gegeben hat, die mit einer Kirche in Zusammenhang steht, dann müsse es auch andere Kultstätten gegeben haben.
Knorr räumte zwar ein, dass die Autoren die gängige Meinung von der Kultstättenkontinuität nur zitierten und sie nicht selber nachweisen könnten, aber letztendlich haben sie auch nur das zur Verfügung stehende Material genutzt und nicht selber auch noch graben können.

Die Idee der Kultstättenkontinuität sei zuerst eine Arbeitshypothese, der Ausgangspunkt gewesen - und jetzt, wo die Bodenbilder und das Achsensystem gefunden seinen, würde diese Hypothese der Kontinuität bestätigt werden, denn dies sei bisher die einzige Erklärung für die Beobschtungen.


Fazit: Thiele und Knorr kritisierten, dass die Ausführungen Bergmanns wohl nicht genau genug am Buch stünden, insbesondere deshalb nicht, weil zwischen im Buch unternommenen Spekulationen, die deutlich als solche gekennzeichnet seien, nicht von der Theorie unterschieden wurde. Den Beweisgang - warum Bergmanns Ausführungen der Theorie, gar den Achsen widersprächen - vermissten die Autoren gänzlich.


*Anmerkung des Redakteurs: Die Frage der Stellung von Kirchen an fließenden Gewässern wird im Forum in einem eigenen Thread diskutiert, da sie in Herten wegen der Kürze der Zeit nicht ausreichend besprochen wurde.

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