Der Himmel ist unter uns

Prof. Bergmann: Mit Dreien dagegen
Date: Tuesday, February 10 @ 20:03:50
Topic Streitpunkt


Drei wesentliche Argumente sind es, die der Bochumer Mediävist und Professor an der Ruhr Universität Werner Bergmann bei der Diskussion im Hertener Glashaus ins Feld führte. Diese Argumente sprächen letzten Endes auch gegen die Theorie eines "Himmelsabbildes auf der Erde", wie es die Autoren sehen.
Im Einzelnen sei dies die "Überschätzung der Kirche von Wormbach", die "falsche Einschätzung der Missionierung und Christianisierung im betroffenen Raum" und "wesentliche Beispiele für andere Ursachen, die zu Kirchengründungen führten".

Im Folgenden finden Sie die Argumente und Beispiele aus dem Vortrag unkommentiert zusammengestellt. Die Diskussion, die sich diesen Ausführungen anschloss, wird im nächsten Beitrag dargestellt.

Eine kleine Bitte an unseren kritischen Leser: Die Einzelpunkte können im Forum diskutiert werden, und sollten nicht im Kommentar zu diesem Artikel zusammengefasst werden. Einige Threads sind bereits vorbereitet.

Die Bedeutung der Kirche von Wormbach wird überschätzt

Zu Beginn seiner Diskussion der Theorien von Thiele/Knorr erläuterte Prof. Bergmann, dass er sich bereits (gemeinsam mit Prof. Schlosser) mit dem Buch Prof. Heinz Kaminskis über Wormbach auseinandergesetzt habe und dessen Thesen ad absurdum führen konnte. Mit einem gewissen Bedauern wies er darauf hin, dass die veröffentlichte Meinung die Arbeit der beiden Universitätsprofessoren geringer geschätzt hätte als die von Prof. Kaminski.

In der Zwischenzeit sei auch eine kunstgeschichtliche Dissertation* erschienen, die nachweise, dass die Sternbilder in Wormbach nicht so einmalig seien, wie die Autoren sie darstellten. In dieser Doktorarbeit weise der Autor nach, dass sich auf Grund des Bautyps und der Ausmalung der Kirche Rückschlüsse auf die Christianisierung des Raumes ziehen ließen.
Es verwundere ihn, so Bergmann, dass die Begeisterung für Wormbach im Buch "Der Himmel ist unter uns" wiederzufinden ist: "Wormbach scheint, was die historischen Quellen angeht, eingebunden in eineserseits die kirchliche Tradition des Erzbistums Köln, zum anderen, das zeigt auch die Architektur und auch der Stil der Ausmalung der an Kölner Vorbilder erinnert, haben wir hier im Grunde eine für die Erzdiözäse Köln übliche Kirche." Dies gelte auch für die Ausmalung der Kirche.

Bergmann deutet die beiden figürlichen Darstellungen des Deckengewölbes als Bonifazius und Anno II. Zur Anordnung der Sternbilder wies er auf den für ihn "völlig klaren" Umstand hin, dass das Sternbild Steinbock über dem Altar stehen müsse, weil Jesus unter diesem Sternbild geboren wurde.

"Die Deckenmalerei besitzt bei Weitem nicht die Bedeutung, wie sie im Vortrag dargestellt wurde", resümmierte er diesen Punkt.


Missionierung und Christianisierung sind im Buch nicht richtig dargestellt

Breiten Raum in Bergmanns Argumentation nahm die Missionierung im betroffen Raum ein, die lange vor Karl dem Großen mit Kunibert von Köln und Bonifatius begonnen habe. Die Patrozinien (quasi die Schutzheiligen) der Kirchen zeigen dies nach seine Meinung sehr deutlich. Beispielhaft zog er Pankratius in Osterfeld und Stockum sowie Cyriakus, der in Bottrop und Berghausen heran. Die Autoren legten im Buch zu großen Wert auf die Missionierung durch Karl den Großen.

Den Durchbruch bei der Christianisierung terminierte er auf das 11. Jahrhundert. Aus dieser Zeit und der Zeit danach stammen die heute noch existierenden bzw. urkundlich nachgewiesenen Kirchbauten und Siedlungen. Für deren Siedlungsgeschichte gelte aber ein "anderer Befund" als der von den Autoren behauptete. Bergmann führte aus, es sei herrschende Wissenschaftsmeinung, dass Ansiedlungen in dieser Zeit "grundsätzlich" an fließende Gewässern gelegt wurden. Da die Kirchen in diesen Orten immer in der Siedlung zu finden seien, widerspräche das der Theorie und er formulierte überspitzt: "Es müssten eigentlich schon die fließenden Gewässer den Sternbildern unserer Ur-Ur-Ur-Vorfahren entsprochen haben!"



Es gab auch andere Ursachen für eine Ansiedlung

Am Beispiel der Konstellation Scutum wollte Bergmann nachweisen, dass auch ganz andere Gründe zur Errichtung einer Kirche geführt hätten, als die Zerstörung bzw. Übernahme einer heidnischen Kultstätte. Scutum beschrieb er als ein unscheinbares und erst in neuerer Geschichte benanntes Sternbild.

Am Beispiel des Klosters Kirchhellen, dessen Nonnen sich im 13. Jahrhundert nach Sterkrade zurückgezogen haben, zweifelte der Mediävist an, dass diese sich auf ihrer Suche nach Abgeschiedenheit und Einsamkeit gerade an einen alten heidnischen Kultplatz zurückgezogen hätten.

Die Deutschordenskommende Welheim widerspräche ebenalls der Theorie: "Ich wage ernsthaft den Zweifel anzunehmen, dass diese christlichen Ordensritter in der Mitte des 13. Jahrhunderts einen Ort ausgewählt haben, an dem sich ursprünglich eine heidnische Kultstätte befunden habe.

Stockum sei ebenfalls ein Beispiel für die Richtigkeit seiner Gegenargumentation, da sich die Kirche (nachweislich aus dem 8. Jahrhundert) an einem Flüsschen mitten im Dorf befinde, obwohl eine "von Legenden umwobene" heidnische Kultstätte sich nur etwa 1200 Meter weiter im Wald befinde


Fazit:

Was die historische Struktur angeht zweifelt Bergmann die Kultkontinuität über einen Zeitraum von 3000 Jahren an und postuliert, dass die Strukturen des Erzbistums Köln erst eine christinanisierte Struktur im 13. Jahrhundert zulassen.


* Die Kirche Sankt Peter und Paul unter besonderer Berücksichtigung der Ausmalung

Die Kirche im kleinen Wormbach. Foto (c) Friedrich Nölle

Zugegebenermaßen etwas verspätet - aber immerhin noch in der richtigen Woche: Hier steht nun der für Montag angekündigte Beitrag über die Gegenargumente von Prof. Bergmann.
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