Der Himmel ist unter uns

Schlosser: Das ist kein Sternenhimmel
Date: Tuesday, February 10 @ 19:10:18
Topic Streitpunkt


Knapp siebeneinhalb Minuten benötigte Prof. Wolfhard Schlosser um seine Kritik am Sternensystem des "Himmels unter uns" zusammenzufassen. Er beschränkte sich dabei auf die dargestellten Sternbilder und ließ wenig Gutes an der Darstellung von Thiele und Knorr.
Foto (c) Angelika NölleIn Bezug auf die Kernthesen des Bochumer Astronomen, Mathematikers und Spezialisten für archäoastronomische Themen halten wir es auf dieser Website wieder so, dass im Folgenden der Vortrag unkommentiert zusammengefasst wird, über die sich daran in Herten anschließende teilweise heftig geführte Diskussion berichten wir im Folgeartikel.

Zusätzlich werden im Forum unter dem Thread "Die Hertener Diskussion" für die einzelnen Kritikpunkte entsprechende Threads eingerichtet, um die Diskussion auf breiter Basis führen zu können.

Den Begriff "Theorie" für die Thesen Thiele/Knorrs in Bezug auf ein Abbild des Himmels im westfälischen Raum wollte Schlosser nicht gelten lassen. Gleich zu Beginn ließ er für die Überlegungen Thele/Knorrs nur den Begriff "Arbeitshypothese" zu. Seinen Vortrag begann er mit einem Blick auf die Umschlagseite und kritisierte, dass die Texte des Einbandes (größte Entdeckung, ägyptische Pyramiden und Stonehenge verblassen) viele seiner Kollegen dazu gebracht hätte, das Buch erst gar nicht in die Hand zu nehmen.


Darstellung der Sternbilder - kulturell

Als erstes Argument gegen die Theorie von Thiele und Knorr führte Schlosser ins Feld, dass es sich bei den Darstellungen um spezifisch europäisch, teilweise sumerische Sichtweisen handelt: "Sie haben nichts mit der Sichtweise anderer Menschen in anderen Kulturkreisen zu tun."

Am Beispiel des großen Wagens zeigte Schlosser deratige unterschiedliche Sichtweisen desselben Sternenensembles in unterschiedlichen Kulturen von Südamerika bis China.

Im Zusammenhang mit dem Sternbild Löwe wies Schlosser auf eine Gemeinschaftspublikation mit Prof. Bergmann hin, in der die Autoren Konstellationen gallischer Bauern beschreiben, deren Aussehen sich stark von dem heutiger Bilder unterscheidet.

Dies bedeute, so Professor Schlosser, dass die Menschen in der ausgehenden Steinzeit sicher nicht die Sternbilder gesehen hätten, die wir heute sehen.


Sternbilder - Entstehung

Anhand einer Sternkarte ohne Verbindungslinien erläuterte Schlosser die Verteilung von Sternen am Himmel. Diese sei charakterisiert durch die Tatsache, dass Sterne geklumpt aufträten und andererseits sternarme Bereiche existierten. Dieses Phänomen träte auf, in welcher Skala auch immer man den Himmel betrachte. Abstand kombiniert mit großer Nähe sei ein statistisches Phänomen, das dessen natürliche Entstehung beweise. Die Karte von Thiele Knorr zeige eine eher homogene Verteilung der Sterne. Dies sei typisch für eine "von Menschen gemachte" Karte.

Ebenso seien für Astronomen störend, wenn der Große Wagen sich relativ nahe beim Sternbild Löwe befinde, oder die hellsten Sterne nicht den ältesten Kirchen zugeordnet seien.

Fazit: Es gibt sowohl aus kulturhistorischer Sicht auch aus modern/astronomischer Sicht keinen Grund anzunehmen, der Sternenhimmel sei abgebildet auf dem Boden des Sauerlandes.



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